Leerstandsaktivierung

Der Raum zwischen genutzten Räumen. Für uns auch die ungenutzte Zeit zwischen den Nutzungen eines Raumes.

 

Und hier soll Kunst stattfinden: improvisierte oder temporäre Kunst, künstlerisches Übungsfeld, performatives Experiment, kreative Belebung. Nicht etwa, dass wir Kunst und Kultur, die Kreativität der Kulturschaffenden in die ZwischenRäume pressen wollen, weil sonst kein Platz vorhanden ist. Vielmehr suchen Kreative nach diesen ungenutzten, unbetitelten, unfertigen Orten in der Urbanität der Großstadt, um hier in ganz eigener Atmosphäre künstlerisch zu wirken.

 

Unter Leerstandsaktivierung ist die Wiederbelebung von über einen längeren Zeitraum brachliegenden Räumen und Flächen zu verstehen die besonders häufig Opfer von unkontrolliertem Einbruch und illegaler Nutzung sind und somit sowohl für den Stadtteil als auch die Eigentümer unangenehme soziale und wirtschaftliche Konsequenzen hatten. Ein Zustand, der ehemals einen negativen Beigeschmack hatte und oft mit Vandalismus, verfallender Bausubstanz, ineffizienter Flächennutzung und schlechter Lebensqualität gleichgesetzt worden ist, erfährt nun eine positivere Wahrnehmung. Immer stärker wird der Trend, Raum, vor allem städtischen Raum, als beschränkt verfügbare Ressource zu begreifen und diesen auch dementsprechend zu verwalten. Die gesteuerte Aktivierung und Verwaltung von Leerständen ist bereits in einigen europäischen Städten zu einem wichtigen Instrument der Stadtentwicklung geworden. Leerstände, vor allem in den Erdgeschoßzonen, verschmelzen unmittelbar mit dem öffentlichen Raum und generieren mit ihm ein entsprechendes Bild der Nachbarschaft und in Summe einer Stadt.

 

Bei der Frage nach einer entsprechenden Raumproduktion kann eine Vielzahl an Beteiligten eine Rolle spielen. Neben den ImmobilieneigentümerInnen und einer städtischen Verwaltung, sollte die Perspektive auf das gesamte Gefüge einer Stadt ausgebreitet werden. Während EigentümerInnen von Immobilien Wert auf wenig Verwaltungsarbeit, Rendite und unaufwändige Pflege und Instandhaltung legen, suchen NutzerInnen günstige Flächen, um auf unbürokratischem Weg und mit geringem Risiko ihre Ideen zu verwirklichen, zu testen oder ihre Bedürfnisse zu leben. Die Stärke der Leerstandsaktivierung liegt im symbiotischen Charakter für NutzerInnen und EigentümerInnen. Sie funktioniert nach dem Prinzip „Günstiger Raum gegen befristete Nutzung“.

 

Es entstehen dabei Leerstandsaktivierungen, temporärer oder dauerhafter Natur, durch verschiedene Initiativen aus dem Bereich Kunst und Kultur, soziale Einrichtungen, Start-Ups, Pop-Up Stores, Unternehmen u.a. aus den Bereichen der Kreativwirtschaft, des Handels oder der Dienstleistung. Bespielt werden dabei aber auch öffentliche Grünflächen, Sportanlagen oder aufgelassene Büroflächen vergangener Nutzungsdekaden.